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Dienstag, 5. Dezember 2017

Gequälte Kinderseelen

Die Pflegemutter.
Kurz vor Heiligabend sind die Pflegekinder weg

"Die folgenden Worte stammen nicht von Claus Plantiko, sondern von mir, Winfried Sobottka, der ich diesen Blog für Claus Plantiko einrichte, weil ich weiß, dass Claus Plantiko sehr vieles mitzuteilen hat, was sehr wichtig ist. Claus Plantiko würde ich als liberalen, konservativ geprägten Bildungsbürger bezeichnen, der nicht in allem mit mir politisch übereinstimmt. Doch es gibt Dinge, die sieht er nicht nur so wie ich, sondern die sind ihm auch so wichtig, dass er seit Jahren beherzt und aufopferungsvoll für sie kämpft: Wahre Gerechtigkeit, wahre Rechtsstaatlichkeit, wahre Demokratie. Ich kenne sehr viele Rechtsanwälte und andere Juristen, ich kenne keinen einzigen anderen Juristen, dessen persönliche Integrität ich auch nur annähernd vergleichbar hoch schätzen könnte wie die des Claus Plantiko. Es ist ein schlimmer Verlust für die deutsche Rechtskultur, dass diesem Mann mit übelsten Methoden der Willkürjustiz die Anwaltszulassung genommen wurde."

Schreibt der Diplom-Kaufmann Winfried Sobottka aus Lünen im März 2011 in einem Wordpress-blog. Umstritten ist dieser Anwalt aus Bonn also schon. Das ist Kommissar Internet wahrscheinlich auch. Was die "taz" 2005 über Plantiko geschrieben hat, möchte Kommissar Internet aber nicht über sich lesen. Deswegen, aber nicht nur darum berichtet er hier demnächst über einen Fall wie aus einem Kriminalroman. Tatort: Trier. Genauer: Amtsgericht. Anwalt einer Pflegemutter aus Trier ist Claus Plantiko. Der sind einen Tag vor Heiligabend 2016 die beiden Pflegekinder weggenommen worden. Sie kamen in ein privates Kinderheim. Nicht nur Kommissar Internet weiß: Im Dezember werden Jugendämter besonders fleißig. Ein Heimleiter, der sich darüber beklagt hat, drückte es einmal so aus: "Die arbeiten dann alte Akten ab." 

Etwas älter ist auch schon die Akte über einen Mordprozess. Der Geliebte einer Mutter, die zwei Kinder hat, bringt im Dezember 2012 die Mutter um. Der Vater verzweifelt. Die Kinder  kommen anschließend zu der Pflegemutter, die jetzt von Claus Plantiko vertreten wird. 

Die Pflegemutter meint, dass Kommissar Internet daraus einen Krimi machen sollte. Warum nicht? 

Gequälte Kinderseelen (I)


Dienstag, 8. Juni 2010

Wo ist Kalli?

8. Juni 2010
Eine verzweifelte Mutter sucht ihren Sohn

Er ist schon zweimal zu seiner Mutter geflüchtet, zurzeit soll Karlheinz "Kalli" S. in Eckernförde sein. Wird ein 17-Jähriger das Opfer eines Scheidungskrieges und von Behördenwillkür?

"Kallis" Mutter schildert die Ereignisse der vergangenen Jahre so: 2001 lässt sie sich von ihrem gewalttätigen Ehemann scheiden. Der droht schon vorher: "Wenn du dich von mir scheiden lässt, werde ich dafür sorgen, dass du deinen Sohn nicht mehr siehst." 2002 wird  "Kallis" Mutter mit Hilfe falscher Zeugen das Sorgerecht entzogen.

Der Junge lebt in Franken, fühlt sich dort nicht wohl, will zu seiner Mutter. Das sagt er auch vor Gericht. Doch der Vater verhindert den Umgang. "Kalli" reißt am 10. Mai 2008 aus, der Junge sucht bei seiner Mutter in Berlin Unterschlupf. Darauf reagiert das Jugendamt mit der Aufforderung: "Nach den Ferien schicken Sie Ihren Jungen zum Jugendnotdienst, sonst bricht die Polizei Ihre Wohnung auf."

Margot S. fügt sich, für "Kalli" beginnt eine Heimkarriere mit negativen Erfahrungen. Wieder nimmt der Junge Reißaus, versteckt sich acht Wochen lang bei seiner Mutter. Dann kommen Polizei und Vormünderin. "Kalli" wird am 11. März 2009 gegen 19.40 Uhr aus der Wohnung geholt, er schreit: "Ich will bei meiner Mutter bleiben."

Seine Spur verliert sich an der Ostsee. Das Jugendamt begründet die Trennung von Mutter und Kind auf diese Weise: "Von einen Umgang wird abgeraten, um die positive Entwicklung von Karlheinz nicht zu gefährden." Dazu Margot S.: "Darunter verstehen die wohl, dass der Wille meines Jungen gebrochen werden soll."

So nicht Deutschland!

Die zweite Ausgabe

-Horror-Heim in Holzen wieder unter Kinder-Mordverdacht
-Chaos-Jugendamt mit Durcheinander-Jugendamt

Hier lesen

Die dritte und vierte Ausgabe

-Toter mit oder ohne Ausweis?
-Zeugen Jehovas machen jünger
-Therapeutische Gemeinschaft
 Wilschenbruch: Doch mit dem
 Buch kamen die Tränen

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Donnerstag, 1. April 2010

Holzen XII

26. März 2010
Ein wütender Kommentar

1955 bis 1972 auf dem Greitberg in Holzen bei Holzminden: Im Kinderheim "Rübezahl" der Inneren Mission geschieht Schreckliches, Kinder werden verprügelt, misshandelt und missbraucht. Soldaten vergehen sich an Mädchen und Jungen. Das berichten viele Ehemalige, einer sagt: "Was die Kirche uns angetan hat, kann sie nie wieder gut machen." Eine Entschädigung wolle er nicht, weil das Leid mit Geld nicht aufgewogen werden könne. Auch auf eine Entschuldigung könne er verzichten, weil Unverzeihliches geschehen sei.

Auch ein anderes Heimkind möchte nicht in seiner "Rübezahl"-Vergangenheit herumwühlen: "Dann käme zu viel wieder hoch."

Die Hildesheimer Staatsanwaltschaft hat wegen möglicher Tötungsdelikte ermittelt, die Kripo von Holzminden befragte Zeugen, es blieb beim Verdacht, Beweise gab es nicht. Die Akte ist zweimal wieder geschlossen worden.

Eine 53-Jährige jedoch, die 1956 als Säugling ins Kinderheim "Rübezahl" gekommen ist, dort bis 1963 lebte und heute in den USA wohnt, meldet sich in einem Kommentar auf diesen Seiten wieder zu Wort. Diesen Kommentar habe ich nicht veröffentlicht, weil manche Formulierungen nur mit einem Wutausbruch zu erklären sind.

Von ihr stammt die Geschichte eines blutenden Jungen auf einem Bett. Dieser Junge ist "zu Tode vergewaltigt worden", schreibt sie jetzt. Das wisse sie. Neu ist die Behauptung, ein "anderer Junge wurde von den Erzieherinnen in ein Jaucheloch gejagt". Schwer beschuldigt werden von ihr auch der damalige Pastor und der damalige Bürgermeister von Holzen. Deren Rolle werde immer noch vertuscht. Sie klagt an: "Wir wurden gefoltert, missbraucht, misshandelt und seelisch getötet."

Aus dem Umfeld dieses ehemaligen Heimkindes stammt die 2008 aufgestellte Behauptung, das ZDF beschäftige sich mit dem Kinderheim "Rübezahl", habe sich die Exklusivrechte gesichert. Das Ergebnis einer Nachfrage beim Sender: "Wir kennen dieses Heim nicht einmal."

Sonntag, 13. Dezember 2009

Holzen Teil X

13. Oktober 2009
Kopfüber ins Plumpsklo

Die Heimkinder seien als zukünftige Versager oder Verbrecher abgestempelt gewesen, berichtet Jörg Walther (52) aus Reinheim bei Darmstadt. Er lebte von seinem dritten bis sechsten Lebensjahr in einem kirchlichen Kinderheim in Holzen bei Holzminden. «Wir wurden gezwungen, den Teller leer zu essen, auch wenn Erbrochenes drin war.» Zur Strafe seien Kinder kopfüber in ein Plumpsklo gehalten worden. Mit Schuhen, Teppichklopfern, Handfegern oder Peitschen seien sie verprügelt worden: «Unser Körper war gezeichnet, wir hatten alle Farben von schwarz, blau und grün bis rot.»


Bericht hier

Samstag, 12. Dezember 2009

Holzen Teil IX: Fax an Staatsanwalt und an Diakonie Himmelsthür

12. Oktober 2009
Wieder ein Mord-Vorwurf

Sehr geehrter Herr Staatsanwalt Scholz,
sehr geehrter Herr Pastor Hüsemann,

Die Fakten: Im 700-Seelen-Dorf Holzen (Landkreis Holzminden) hat es von 1955 bis 1972 auf dem Greitberg ein Kinderheim der Inneren Mission und somit der evangelisch-lutherischen Landeskirche gegeben. Dort kam es Erfahrungsberichten zufolge zu unvorstellbaren Grausamkeiten, die mit "schwarzer Pädagogik" allein nicht zu erklären sind. Soldaten sollen Heimkinder sexuell missbraucht haben, die Erzieherinnen neigten zu unglaublichen Strafen. Kinder wurden mit dem Kopf in ein Plumpsklo gehalten, sie wurden derart misshandelt, dass einem beim Lesen solcher Schilderungen der Atem stockt.

Die Hildesheimer Staatsanwaltschaft hat "wegen möglicherweise im Kinderheim ´Rübezahl´ in Holzen begangener Straftaten" ermittelt, das Ermittlungsverfahren wurde am 5. Februar 2009 eingestellt. Begründung: Die Straftaten sind verjährt. Der erhobene Mordvorwurf konnte nicht erhärtet werden.

Erhoben wurde dieser Vorwurf zuerst von einem ehemaligen Heimkind, das 1956 als Säugling in das Kinderheim kam. Jetzt stoße ich im Internet auf Berichte eines Betroffenen, der im Alter von zwei Jahren "Rübezahl"-Kind geworden ist. Dieser blog-betreiber, der sich jomi nennt, hat eigenen Angaben zufolge von September 1959 bis August 1963 in diesem Kinderheim gelebt. Er erzählt von einem Zaun, der für die Kinder tabu gewesen sei.

Weiter schreibt jomi: "Der Tod war für mich in Holzen immer wieder zu spüren aber nicht zu greifen. Immer wieder kommen mir Bilder hoch:

Ich sehe einen leblosen Körper in Stoff gehüllt. Es sieht aus wie ein dünner Sack, keine Wolle, eher Leinen, vielleicht Betttücher. Die Farbe war hell. Dieser Sack wurde von zwei Personen getragen, ich weiß nicht mehr, ob es Frauen oder Männer waren. Das Bild wäre womöglich schon längst aus meiner Erinnerung verschwunden, wenn dieser Sack nicht über ein Loch gehalten worden wäre und für mich völlig überraschend und mich tief erschreckend nach vorne einfach abgeknickt wäre. Dieses Bild taucht immer wieder auf und wurde von mir lange als beginnender Wahnsinn abgewehrt."

Anschließend schildert er einen Alptraum über eine Kirche. Die steht in Mainz-Weisenau. Als Student habe ich im benachbarten Stadtteil Laubenheim gewohnt. Ich kenne diese Kirche. Jomi wohnt möglicherweise in der Nähe, an anderer Stelle ist von Bad Kreuznach die Rede.

Die blogadresse: http://holzen-kinderheim-rubezahl-perversion-christlichen-auftrags.over-blog.de/article-28254599-6.html#c

M. E. müssen die Ermittlungen wieder aufgenommen werden. Oder ist jomi bereits verhört worden?

Freitag, 1. Mai 2009

Holzen - Teil 1

8. November 2008
Ehemalige Heimkinder müssen eine Sprache finden

"Ich fände es prima, wenn wir eine Sprache fänden für all das, was wir als Kinder erleben mussten", schreibt ein ehemaliges Heimkind in einem Forum. Der erste Eintrag stammt vom 10. September 2008. Seitdem erfahren immer mehr Ehemalige: "...und es gab es doch, das Heim Rübezahl in Holzen."

Holzen ist ein 700-Seelen-Dorf in der Samtgemeinde Eschershausen. Das Ortswappen zieren ein schwarzer, silbern gebördelter Dreiberg mit gekreuztem Hammer und Schlägel, darauf steht eine grüne Buche. Symbolisiert werden so der für Holzen wichtige Asphaltbergbau und die ebenso wichtige Landwirtschaft.

In der Landwirtschaft gearbeitet hat auch Herbert Schlotter, bevor er in den Bergbau wechselte. Der in Schlesien geborene 78-Jährige trat 1979 in die SPD ein und war von 1981 bis 2001 Bürgermeister des Ortes. Das kam so: "Man hat mich gefragt, und ich habe es gemacht." Kürzlich ist er wieder gefragt worden. Dieses Mal nicht von seinen Genossinnen und Genossen, dieses Mal von der Kripo aus Holzminden. "Das Gespräch hat einige Stunden gedauert", sagt er.

Dabei ging es um ein Kinderheim, das von 1955 bis 1972 auf dem Greitberg existierte. In der 320-seitigen Dorfchronik, die Herbert Schlotter mit anderen 2004 zum 1000-jährigen Bestehen von Holzen veröffentlicht hat, wurden dem Heim Rübezahl sechs Absätze gewidmet. Das ist erstaunlich wenig, denn die Geschichte dieses Lagers kann als spannend gelten. Etwas mehr erzählte der Chronist Detlef Creydt aus Holzminden im vierten Band von "Zwangsarbeit für Industrie und Rüstung im Hils 1943 bis 1945".

Wir erfahren: Anfang August 1944 baute die Hitlerjugend aus Eschershausen auf dem Greitberg ein Zeltlager auf. Untergebracht wurden dort Häftlinge, die auf den Wiesen Baracken errichteten. Später wurde das Lager eingezäunt und der Draht unter Starkstrom gesetzt. Fertig war das Zuchthauslager Holzen als Außenstelle von Hameln und Celle.

Holzen Teil 3

10. November 2008
Immer Rauschen in den Ohren

Der 80-Jährige sitzt in Hörweite, reagiert aber nicht, als ich auch ihn nach dem Kinderheim frage.

„Ich habe immer so ein Rauschen in den Ohren“, sagt er.

Wie ein ganzes Dorf, als es auf dem Greitberg ein Zuchthauslager gegeben hat?

„Die Behandlung der Insassen soll unmenschlich gewesen sein“, berichtet der Holzmindener Chronist Detlef Creydt. Einige Aufseher hätten sich brutale Strafen einfallen lassen: Den Kopf eines Häftlings zwischen Spind und Spindtür einquetschen, bis das Nasenbein bricht beispielsweise.

Das hat man im Dorf gewusst, so mancher steckte den Häftlingen unter Tage Brot zu, ein Aufseher versteckte Nahrungsmittel in einem Erdloch. Doch das Schlimmste konnte niemand verhindern: In dem Lager starben 32 Männer.

„Der Boden ist von Blut getränkt“, sagt ein Stuttgarter, der im Kinderheim „Rübezahl“ aufgewachsen ist. Es soll auch zwischen 1955 und 1972 geflossen sein. Auch ein ehemaliges Heimkind aus Darmstadt erinnert sich an „Gewalt und Demütigung“. Niemand habe sich darum gekümmert, „weghören und wegsehen“ gehöre wohl zur Tradition von Holzen.

„Wir waren isoliert“, sagt ein weiteres Heimkind aus der Region Hannover. Den Weg zur Schule legten die Heimkinder zu Fuß zurück, fünf Kilometer den Greitberg herunter, immer an der Straße entlang, bei Regen wurden sie so nass, dass ihre Klamotten während des Unterrichts getrocknet werden mussten.

„Das ging irgendwann nicht mehr so weiter“, sagt der ehemalige Bürgermeister Herbert Schlotter. Aber „isoliert“ sei das falsche Wort, denn: „Einmal im Jahr haben die Dorfkinder und die Heimkinder ein Schulfest gefeiert. Das fand auf dem Greitberg statt.“

Der Wirt des Gasthauses „Roter Fuchs“ berichtet sogar, dass er mit einem ehemaligen Heimkind in einem Nachbarort Fußball gespielt habe. Auch an den Namen erinnert er sich und fügt hinzu: „Der wohnt jetzt in Hildesheim.“

Manchmal sind Heimkinder, die nach der Schule keine Umwege machen durften, zu diesem Gasthaus gewandert. Der Wirt hatte Windbeutel für sie. Erfuhr die Heimleitung davon, soll es nach Angaben eines ehemaligen Heimkindes „Prügel ohne Ende“ gegeben haben.

Holzen Teil 4

20. Dezember 2008
Kann nie wieder gut gemacht werden

Daran möchte auch ein vierfacher Familienvater aus der Region Hannover nicht erinnert werden: „Wenn ich über meine Heimerfahrungen berichten würde, würde das alte Wunden wieder aufreißen.“ Auch seine Kinder wüssten nichts über seine Vergangenheit. Das solle so bleiben. Außerdem: „Ich erwarte keine finanzielle Entschädigung. Von der evangelischen Kirche will ich kein Geld. Was die uns als Kinder angetan haben, können die nie wieder gut machen.“

Die Wahrheit muss erzählt werden, meint dagegen der Dorfchronist Detlef Creydt. Auch er hat bereits Besuch von der Kripo aus seiner Heimatstadt bekommen und Herbert Schlotter, ehemals Bürgermeister des 700-Seelen-Dorfes Holzen, sagt zum Abschied: „Wenn Sie etwas herausfinden, dann geben Sie mir bitte Bescheid.“

Die Geschichte von den Kinderleichen nur haarsträubend findet Dr. Seliger, der in der Holzmindener Stadtbibliothek arbeitet und im ersten Stock ein kleines Büro hat: „Vielleicht gibt es auf dem Greitberg auch noch einen Tunnel...“ Den wohl nicht, dafür im 20 Kilometer langen Höhenzug Ith aber mehr als 20 Höhlen.

Dort sind immer neue Funde gemacht worden. 1988 wurde in der so genannten „Kinderhöhle“ ein zertrümmerter Schädel entdeckt. Er stammte von einem Vierjährigen. Dieses Geheimnis wurde aber schon im 19. Jahrhundert gelüftet: Prähistorische Menschen hatten in Höhlen Feinde verspeist, immer wieder gab es deswegen Knochenreste, die ans Tageslicht geholt wurden.

Solche Geschichten haben möglicherweise die Fantasie eines Heimkindes angeregt - als Erwachsene konnte sie schließlich Dichtung und Wahrheit nicht mehr auseinander halten? Gleichwohl: Die Kripo in Holzminden und die Staatsanwaltschaft in Hildesheim haben den Strafantrag noch nicht zu den Akten gelegt. Seit Juni 2008 gilt: „Zurzeit werden polizeiliche Vorermittlungen geführt.“ (Az.
NZS 17 AR 17182/08)

Noch einmal nach Holzen und auf den Greitberg: 1968 ist der Heimleitung die Kündigung des Pachtvertrages auf den Schreibtisch geflattert. 1972 zog die Innere Mission mit rund 50 Kindern ins Haus Harderode um. Den Spitznamen für eine der Heimleiterinnen nahm sie mit. Er lautete: „die Teufelin“.

Dann meldet sich wieder ein ehemaliges Heimkind. Wieder: Berichte über schwere Misshandlungen - und das gefesselte Kleinkind mit blutigem Po bekommt einen Namen: Jürgen.

Holzen Teil 7

1. Mai 2009
Hat ehemaliges Heimkind Roten Durchfall mit Blut verwechselt?

„Da war das große Krankenbett mit dem kleinen Jungen Jürgen. Jürgen lag leblos und nackt und mit beiden Händen über dem Kopf ans Bett gefesselt. Sein linkes Bein war ans Fußteil des Bettes gebunden, nur das rechte Bein lag angewinkelt. Ich guckte ihn mir an und dann sah ich das viele Blut, das von seinem Po zu kommen schien. Die Blut-Lache war groß, von seinen Hüften bis zum Knie und auf der Seite des Bettes. Ich war starr vor Schreck.“

Das erzählt auf einer amerikanischen Internetseite immer noch ein ehemaliges Heimkind, das 1956 im Alter von sechs Wochen in das Kinderheim „Rübezahl“ gebracht worden ist und dort bis 1963 blieb. Diese Schilderung schreckte die evangelische Kirche als damalige Trägerin der Einrichtung in Holzen (Landkreis Holzminden) auf, deswegen ermittelte die Hildesheimer Staatsanwalt, die Kripo von Holzminden befragte Zeitzeugen. Doch erhärtet werden konnte der Verdacht nicht, dass im Kinderheim „Rübezahl“ dieser Junge und möglicherweise auch noch andere Kinder auf gewaltsame Weise ums Leben gekommen sind.

Die Ermittlungen seien mit großer Sorgfalt und hohem Zeitaufwand geführt worden, berichtet ein Kripobeamter aus Holzminden. Einfach hätten es sich die Ermittler nicht gemacht, immer wieder habe es Probleme gegeben: Einige ehemalige Heimkinder waren zur Zusammenarbeit nicht bereit, so manche schlimme Geschichte beruhte auf Hörensagen, wurden Aussagen miteinander verglichen, kam es zu Ungereimtheiten. Aber - eine Geschichte sei von mehreren Zeugen unabhängig voneinander und ohne direkte Nachfrage erzählt worden: Eines Tages gab es im Kinderheim „Rübezahl“ Rote Beete. Viele Kinder bekamen davon Durchfall. Und: Der sei rot gewesen.

Hat also jene Belastungszeugin, die auf den amerikanischen Internetseiten ein Schreckenszenario entwickelt, als kleines Mädchen Blut mit rotem Durchfall verwechselt? Doch: Es soll immer noch einen Augenzeugen geben. Der aber meldet sich nicht. Da spitzt auch der Kripobeamte aus Holzminden die Ohren: „Wenn es neue Hinweise geben würde, würden wir die Ermittlungen sofort wieder aufnehmen.“

Kein Zweifel: Es ist schlimm zugegangen im Kinderheim „Rübezahl“, das es von 1955 bis 1972 auf dem Greitberg gab. Daran hegen weder die Hildesheimer Staatsanwaltschaft noch die Kripo von Holzminden Zweifel. Andererseits bleibt es (noch) dabei: „Von Tötungsdelikten gehen wir nicht aus.“

Ruhe kehrt in Holzen nicht ein. In dem 700-Seelen-Dorf in der Samtgemeinde Eschershausen malen sich immer noch einige aus, was geschehen würde, wenn eines Tages jemand käme, der mehr zu sagen hätte als bisher bekannt und bewiesen ist.

Montag, 29. Dezember 2008

Schwere Aufklärungsarbeit

29. Dezember 2008
Jugendämter und Kinderheime: Schwere Aufklärungsarbeit

„Auch ich bin ein vom JuA geklautes Kind“, steht in einer weitergeleiteten Mail, die von einer Organisation mit Sitz in Paris durch die Internet-Welt gejagt wird. JuA ist die Abkürzung für Jugendamt. Mitgeteilt wird außerdem: „Vor genau 2 Jahren, zwischen Weihnachten und Neujahr 2006, starteten wir mit der ersten Runde gegen das familienzerstörerische und ausländerfeindliche Verhalten einiger weniger Deutschen, die in den Ministerien und in den Familiengerichten der Bundesrepublik sitzen, mit der Petition der 10 Eltern.“ Inzwischen sei die dritte Runde eingeläutet, das Europäische Parlament werde sich mit dem Thema beschäftigen. Das stimmt: Dem Petitionsausschuss dieses Parlaments liegen um die 200 Eingaben von Eltern und Heimkindern vor, in denen deutschen Jugendämtern Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.

Die Organisation, die sich zurzeit derart ins Internet-Zeug legt, heißt Ceed. Sie vertritt nach ihren Angaben Großeltern, Eltern und Kinder, die Opfer von „amtlichen Kindesentführungen“ geworden sind - und schon vermisst man als Kenner der Szene wichtige Informationen. Denn: Veröffentlicht werden auf den Internetseiten dieser Organisation zwei „detaillierte Erfahrungsberichte“. Einer dieser Berichte stammt von einem 56-jährigen Südafrikaner, der seit 1995 um seine beiden Kinder kämpft, die angeblich von der deutschen Mutter zu einem ihm damals unbekannten Ort in Wilhelmshaven (Niedersachsen) entführt worden sind. Eine aktive Rolle sollen dabei die ebenfalls an der Nordsee lebenden Großeltern gespielt haben.

Mit dieser Entführungsgeschichte hat dieser Südafrikaner anfangs in Deutschland öffentliche Aufmerksamkeit erregt, seine Forderungen stießen durchaus auf Sympathie. Bis die Aktionen des 56-Jährigen aus dem Ruder liefen. Mit dem Jahr 2002 ist seine Geschichte auf den Ceed-Seiten beendet, doch zu Ende ist sie immer noch nicht.

Spätestens zwei Jahre darauf startete der Südafrikaner eine Mail-Kampagne. Jede für ihn erreichbare Internet-Adresse wurde mit wüsten Beschimpfungen von Lokalpolitikern, Anwälten, Jugendamtsmitarbeitern und Familienrichtern aus Wilhelmshaven zugepflastert. Die Frage, warum kein Betroffener dagegen strafrechtlich vorging, beantwortete ein Sprecher der Kripo eher achselzuckend: „Der ist doch wahrscheinlich inzwischen in Neuseeland. Außerdem hat er etwas erreicht. Es nimmt ihn niemand mehr ernst.“

Das muss auch dem 56-Jährigen inzwischen klar sein. Wohl deshalb hat er sich in den folgenden Jahren gefälschter Mail-Adressen bedient, um weiter Gehör zu finden. Fand er aber nicht. In einem Gutachten war ihm mittlerweile bescheinigt worden: „Die paranoide Entwicklung von Herrn H. scheint so weit fortgeschritten, dass die Einräumung eines Umgangsrechtes mit seinen beiden Kindern nicht mehr dem Wohl der Kinder dienen dürfte.“ Aus diesem Grund verlor der 56-Jährige am 23. Juli 2004 vorerst das letzte Mal vor dem Wilhelmshavener Familiengericht. Dagegen setzte sich der Südafrikaner auf privaten Internet-Seiten noch einigermaßen sachlich zur Wehr. Dann drehte er durch.

Doch irgendwie ist ihm das wohl noch nicht bewusst, muss man aus seinem Telefonanruf aus Südafrika schließen: „Bei uns darf man falsche e-mail-Adressen verwenden.“ Unter Paranoia leide er keinesfalls, versichert er dem Verfasser dieser Zeilen, der Gutachter, der ihm diese Geisteskrankheit bescheinigt habe, habe ihn nie zu Gesicht bekommen. Das stimmt: H. ist nicht hingegangen und gab ein Gegengutachten in Auftrag. Das Ergebnis: Der 56-Jährige ist zwar gesundheitlich mitgenommen, aber der Umgang mit seinen beiden Söhnen würde dem Kindeswohl dienen. Dringend geprüft werden müsse, wie man den familiären Scherbenhaufen noch kitten könne.

Dann plaudert H. bei seinem Telefonanruf munter über Land und Leute, erzählt von seinem 19-jährigen Sohn, der ihn kürzlich in Südafrika besucht habe, und wechselt zu seinen Schlafgewohnheiten: „Ich habe immer eine Schrotflinte und andere Waffen neben dem Bett liegen.“ So schütze er sich vor einem möglichen Mordauftrag aus Wilhelmshaven. Wie abenteuerlich das klingt, ist H. offenbar ebenfalls nicht bewusst.
Immerhin: Nach einigem Zögern will er eine Kontaktaufnahme mit seinem 19-jährigen Sohn ermöglichen.

In welcher Zwickmühle Familienrichter stecken, wenn sie über die Zukunft von Kindern entscheiden müssen, die in einer Familie leben, in der jeder gegen jeden kämpft, lässt sich unschwer erahnen. Manchmal wird zu viel Porzellan zerschlagen.

In ähnlicher Gefahr schwebt wohl ein ehemaliges Heimkind, das 1991 in die USA ausgewandert ist und sich als 43-Jährige ihre Erlebnisse von der Seele schrieb. Sie gründete drüben eine Hilfsorganisation und richtete ebenfalls Internet-Seiten ein, auf denen jüngst eine 52-Jährige über ihre Kindheit berichtete. Wenn sie an das Heim denke, in dem sie ab 1956 gelebt habe, falle ihr zuerst „Folter“ ein, schreibt sie. Der Name dieser Frau taucht auch in der eingangs erwähnten weitergeleiteten mail von Ceed auf, er wird außerdem im Zusammenhang mit einer Strafanzeige genannt, die am 13. April 2008 von einer deutschen Hilfsorganisation bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim erstattet worden ist. Der Tatvorwurf lautet: Mord.

Es geht um das ehemalige Kinderheim „Rübezahl“ in Holzen (1955 bis 1972, Landkreis Holzminden). Das zweifelsfreie Ergebnis von Recherchen: In diesem Heim ist es zu schweren Misshandlungen gekommen. Aber Mord? Darüber werde „Frontal 21“ demnächst berichten, hat vor zwei Monaten die 1991 in die USA Ausgewanderte in Mails behauptet. Das Magazin habe sich die Exklusivrechte gesichert, mehr dürfe sie noch nicht verraten. Doch eine Nachfrage bei dem Sender ergab: „Von diesem Heim haben wir noch nie etwas gehört.“

Der zuständige Hildesheimer Staatsanwalt beklagt sich derweil darüber, dass er weder aus den USA noch von der deutschen Hilfsorganisation erhärtendes Material bekomme, die 52-Jährige, die im Internet über derart Grauenhaftes wie „Ein Kind fiel in eine Mistgrube und die Erzieherinnen ließen es untergehen, ohne Hilfe zu leisten“, hat auf eine Bitte um Aufklärung so reagiert: „Ich habe nicht das Bedürfnis, mit Medien über Holzen zu korrespondieren.“ Ein ähnliches Verhalten legt sie offenbar gegenüber der Staatsanwaltschaft in Hildesheim an den Tag, über „polizeiliche Vorermittlungen“ wird das Ermittlungsverfahren deshalb wohl kaum hinauskommen. Und schon erscheint die Geschichte in einem neuen Licht: Der Tatvorwurf Mord stammt gar nicht von dieser 52-Jährigen, er stammt aus einer anderen Quelle. Aber aus welcher? Das herauszufinden, ist nun die nächste Aufgabe.

Ergo: Da veranlasst eine in die USA Ausgewanderte eine deutsche Hilfsorganisation zu einer Strafanzeige, anschließend veröffentlicht sie einen schrecklichen Internet-Bericht über das Kinderheim „Rübezahl“ - und der Rest wird die vierte Stufe, über die auch Eltern im Petitionsausschuss des Europäischen Parlamentes stolpern, die gern sachlich bleiben würden? Die Spreu vom Weizen trennen, wird eine schwere Aufgabe für diesen Ausschuss. Die Betroffene etwas leichter gestalten könnten, so auch der Südafrikaner H. Erinnert sei an das Sprichwort „Der Ton macht die Musik.“